Wer ich bin und warum ich diesen Blog starte

Es gab eine Zeit, in der ich dachte, mein Wert hängt davon ab, wie gut ich funktioniere.

Hallo, ich bin Jessi.

Ich bin 35 Jahre alt, lebe in Köln – für mich die schönste Stadt am Rhein – und arbeite als IT-Projektmanagerin. Struktur, Analyse, Organisation und Kommunikation gehören zu meinem Alltag. Ich erfasse komplexe Zusammenhänge schnell, sortiere sie und zerlege sie in kleinere, greifbare Schritte.

Von außen betrachtet wirkte es deshalb lange so, als hätte ich mein Leben ziemlich gut im Griff.

Und in gewisser Weise stimmte das auch. Ich konnte viel leisten, Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass alles weiterlief. Neben meinem Vollzeitjob habe ich Wirtschaftspsychologie studiert, mich durch anspruchsvolle Phasen gearbeitet und fast immer einen Weg gefunden, irgendwie weiterzumachen.

Doch hinter dieser starken und zuverlässigen Seite gab es noch eine andere.

Eine Frau, die es möglichst allen recht machen wollte. Die ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellte, Konflikte vermeiden wollte und glaubte, Anerkennung und Liebe müsse man sich verdienen.

  • Indem man verständnisvoll ist.
  • Indem man durchhält.
  • Indem man mehr gibt.
  • Indem man sich um alle anderen kümmert.

Und indem man bloß niemanden enttäuscht.

Das Funktionieren war für mich lange keine bloße Gewohnheit. Es war eine Strategie, die mir Sicherheit gegeben hat. Es war das, was mich in meinem Leben vorangetrieben hat und worin ich meine vermeintliche Bestimmung gefunden hatte.

Wenn Stärke zur Belastung wird

Disziplin und Durchhaltevermögen sind grundsätzlich nichts Schlechtes. Sie haben mir vieles ermöglicht. Doch irgendwann wurde mir bewusst, dass genau die Eigenschaften, auf die ich so stolz war, auch eine Schattenseite hatten.

Ich konnte weitermachen, obwohl ich längst erschöpft war.

Ich konnte Verständnis für andere aufbringen und bemerkte dabei oft gar nicht, wie sehr ich meine eigenen Grenzen überschritt.

Ich konnte Menschen ihre Fehler immer wieder verzeihen, weil ich sie so gut verstehen konnte und glaubte zu wissen, warum sie handelten, wie sie handelten.

Lange dachte ich, wenn es den Menschen um mich herum gut geht, wäre irgendwann automatisch auch ich an der Reihe. Ich musste mich nur noch ein bisschen mehr bemühen, noch etwas geduldiger sein und noch etwas länger durchhalten.

Doch dieser Moment kam nie.

Für mich fiel nicht einmal ein Krümel vom Kuchen ab.

Stattdessen hatte ich mich irgendwann so sehr an meine Rollen und Erwartungen angepasst, dass ich kaum noch wusste, was ich selbst eigentlich wollte. Ich wusste nicht mehr, wer ich war, was ich wollte oder was ich überhaupt fühlte – geschweige denn, ob das, was ich fühlte, überhaupt in Ordnung war.

Ich stellte mich ständig selbst infrage und fand immer einen Grund, warum ich schuld sein musste.

Ich hatte gefühlt tausend Möglichkeiten durchdacht. Und natürlich trat genau die ein, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Das hätte ich verhindern müssen.

Denn jetzt war jemand enttäuscht.

Oder verletzt.

Oder verärgert.

Zumindest glaubte ich das.

Der Punkt, an dem ich mich selbst verloren hatte

Nach meinem Studium und der kurz darauf folgenden Trennung meiner langjährigen Beziehung begann für mich ein völlig neuer Lebensabschnitt. Zum ersten Mal hatte ich eine eigene Wohnung, viel Freiheit und die Möglichkeit, mein Leben neu zu gestalten.

Doch nur weil sich die äußeren Umstände verändern, verschwinden die eigenen Muster nicht automatisch.

Kurze Zeit später geriet ich in eine Beziehung, die mir sehr deutlich zeigte, wie wenig Wert ich mir selbst damals zugestand. Ich wusste an vielen Stellen, dass mir diese Verbindung nicht guttat.

Trotzdem blieb ich.

Nicht, weil ich schwach oder naiv war.

Sondern weil der Wunsch nach Anerkennung, Liebe und Zugehörigkeit stärker war als meine Verbindung zu mir selbst.

Ich hoffte.

Ich verstand.

Ich entschuldigte.

Und ich gab immer wieder neue Chancen.

Dabei verschwammen meine eigenen Grenzen immer mehr, bis ich sie irgendwann kaum noch wahrnahm.

Fast bis zur völligen Selbstaufgabe.

Diese Zeit hat mich emotional und körperlich sehr belastet. Manche Dinge daraus möchte ich heute noch nicht öffentlich erzählen. Vielleicht werde ich einzelne Erfahrungen irgendwann teilen, wenn es sich richtig und sicher anfühlt.

Doch entscheidend ist für diesen Moment etwas anderes.

Irgendwann hörte ich auf, ausschließlich zu fragen, warum ein anderer Mensch mich so behandelt hatte.

Stattdessen begann ich, mir eine viel schwerere Frage zu stellen:

Warum war ich selbst so lange in einer Situation geblieben, die mich immer weiter von mir entfernte?

Diese Frage war schmerzhaft.

Aber sie war auch der Beginn meiner Veränderung.

Der Weg zurück zu mir

Mit Unterstützung eines Coachings gelang es mir schließlich, mich aus dieser Beziehung zu lösen. Dafür bin ich bis heute unendlich dankbar.

Denn ich verstand nicht nur, was in dieser Beziehung passiert war. Ich begann auch, meine eigenen Muster klarer zu erkennen – Muster, die mich schon seit meiner Kindheit begleitet hatten und die mich teilweise bis heute begleiten.

Meine Empathie, mein Verständnis und mein Wunsch, das Beste in anderen Menschen zu erkennen, gehören zu mir. Diese Eigenschaften möchte ich nicht verlieren.

Doch mit der Zeit wurde mir bewusst, dass Empathie ohne gesunde Grenzen schnell zur Selbstaufgabe werden kann.

Ich durfte lernen, dass Verständnis nicht bedeutet, jedes Verhalten hinnehmen zu müssen.

Dass Liebe nicht verlangt, sich selbst zu verlassen.

Und dass ich Raubbau an mir selbst betreibe, wenn ich diesen Weg immer weitergehe.

Außerdem erkannte ich, dass meine Bedürfnisse nicht erst dann wichtig werden dürfen, wenn ich vollkommen erschöpft bin.

Dieser Weg war weder geradlinig noch plötzlich abgeschlossen.

Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe mich vollständig selbst geliebt.

Es waren viele kleine Entscheidungen:

  • Mich ernst zu nehmen.
  • Auf mich und meinen Körper zu hören.
  • Meinem Gefühl wieder zu vertrauen.
  • Grenzen auszusprechen.
  • Nicht mehr für jede Reaktion eines anderen Menschen die Verantwortung zu übernehmen.
  • Und mich immer wieder zu fragen: Was brauche ich eigentlich?

Heute lebe ich in einer liebevollen Beziehung, in der ich mich sicher fühle. Ich muss nicht funktionieren, um akzeptiert zu werden. Ich darf mich zeigen, Fehler machen, Bedürfnisse haben und trotzdem geliebt sein.

Vor allem aber habe ich begonnen, mich selbst wiederzuentdecken.

Ich bin nicht zu einem vollkommen neuen Menschen geworden.

Ich bin zurückgekehrt zu dem Menschen, der unter all dem Funktionieren lange kaum noch zu hören war:

zu mir.

Jeden Tag arbeite ich weiter daran, mich selbst besser kennenzulernen und mir Stück für Stück näherzukommen.

Diese Reise ist spannend – auch wenn sie manchmal schmerzhaft ist. Denn sich selbst Fehler einzugestehen und den Mut zu haben, ehrlich hinzuschauen, ist alles andere als leicht.

Warum dieser Blog?

Vielleicht fragst du dich nun, warum ich meine Geschichte öffentlich teile.

Weil ich weiß, wie einsam es sich anfühlen kann, äußerlich alles im Griff zu haben und sich innerlich trotzdem immer weiter von sich selbst zu entfernen.

Wenn man sich Tag für Tag fragt, wie es weitergehen soll. Wenn man alles gibt, was man hat – und anschließend noch ein kleines bisschen mehr.

Ich weiß, wie leicht man das eigene Funktionieren mit Stärke verwechselt. Wie schnell man glaubt, man müsse sich nur noch ein bisschen mehr zusammenreißen. Und wie schwer es sein kann, zu erkennen, dass man selbst im eigenen Leben kaum noch vorkommt.

Damals hätte ich mir jemanden gewünscht, der mir sagt:

Du bildest dir das nicht ein.

Du musst nicht erst vollständig zusammenbrechen, um etwas verändern zu dürfen.

Und es gibt einen Weg zurück zu dir.

Genau dafür soll dieser Blog ein Ort werden.

Ich möchte meinen persönlichen Weg mit dir teilen, ohne so zu tun, als hätte ich auf alles eine perfekte Antwort oder meinen eigenen Weg bereits abgeschlossen.

Es wird um People Pleasing, Selbstwert, Grenzen, Beziehungen, Angst, Überforderung und das ständige Funktionieren gehen.

Aber ich nehme dich auch mit auf meinem Weg zurück zu mir selbst. Ich teile die Dinge, die mir geholfen haben, Schritt für Schritt wieder bei mir anzukommen.

Denn jede Veränderung beginnt mit einer einzigen Entscheidung.

Nicht jeder Abschnitt dieses Weges wird leicht sein. Und ich werde dir nicht versprechen, dass ein paar einfache Tipps dein gesamtes Leben verändern.

Aber ich glaube fest daran, dass es möglich ist, sich selbst wiederzufinden.

Und dass am Ende dieses Weges etwas wartet, das du vielleicht viel zu lange im Außen gesucht hast:

du selbst.

Vielleicht stehst du gerade noch ganz am Anfang.

Vielleicht weißt du noch gar nicht, wohin dein Weg dich führen wird.

Das ist in Ordnung.

Wichtig ist nur, dass du den ersten Schritt gehst.

Ich freue mich, wenn ich dich auf einem kleinen Stück dieses Weges begleiten darf.

Herzlich willkommen. ❤️

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